Warum lehnt mein Teenager plötzlich seine Rolle in der Familie ab?

Zwischen vierzehn und einundzwanzig Jahren wird die Rolle aus der Kindheit abgelegt. Der Ausstieg richtet sich gegen eine Funktion und nicht gegen die Familie.

Kurz erklärt

  • Die Rolle aus der Kindheit wird meist zwischen vierzehn und einundzwanzig abgelehnt.
  • Der Ausstieg setzt abstraktes Denken voraus.
  • Er hinterlässt eine Lücke, die die ganze Familie spürt.
  • Der Druck zur Rückkehr entsteht aus der Familienform, nicht aus Böswilligkeit.
  • Die Umbruchjahre lockern verfestigte Muster und bieten damit eine Chance.

Zwischen vierzehn und einundzwanzig Jahren wird die Rolle aus der Kindheit oft abgelehnt. Die Familie versucht dann, den Jugendlichen zurückzuholen. Das Verhalten richtet sich aber nicht gegen die Familie, es ist ein Schritt heraus aus einer Funktion.

Josefine ist fünfzehn. Jahrelang war sie die Vermittlerin und die Verlässliche. Als sie sich weigert, ihre Brüder zu beruhigen, sind ihre Eltern irritiert.

Josefine lehnt nicht ihre Familie ab. Sie legt eine Funktion ab, die ihr lange zugefallen war.

Warum steigen Jugendliche aus ihrer Familienrolle aus?

Im Familienfeld gibt es Entwicklungsphasen von jeweils sieben Jahren. Die Stellung im Kindesalter entsteht bis sieben und verfestigt sich bis vierzehn. Zwischen vierzehn und einundzwanzig wird sie abgelehnt.

Mit etwa zehn Jahren gehört eine Funktion schon zur Identität. Deshalb wird sie im Jugendalter bewusst abgelehnt, und der Ausstieg verläuft meist deutlich.

Das ist ein normaler Schritt. Er wirkt nur plötzlich, weil er vorher nicht angekündigt wird.

Warum passiert der Ausstieg nicht früher?

Ein Ausstieg erfordert hypothetisches Denken. Ein Mensch muss sich eine andere Version von sich vorstellen können. Jüngere Kinder erleben ihre Rolle als selbstverständlich und haben dafür noch kein Gegenbild.

Diese Art zu denken entwickelt sich im Jugendalter. In der Entwicklungspsychologie wird sie als formal-operationales Denken beschrieben.

Die Veränderung wirkt für die Familie plötzlich, vorbereitet war sie über Jahre.

Was sagt Human Design über den Ausstieg aus einer Familienrolle?

Das Familienfeld entsteht, sobald mindestens drei Menschen dauerhaft zusammenleben. Rollen entstehen darin, sie werden nicht vergeben.

Wer eine Funktion ablegt, hinterlässt eine Lücke. Der Druck zur Rückkehr kommt aus dieser Form und nicht aus einem Vorwurf an den Jugendlichen.

Das persönliche Chart bleibt dabei unverändert. Es kann helfen, Eigenes von Übernommenem zu unterscheiden, und genau diese Unterscheidung steht im Jugendalter im Mittelpunkt.

Woran erkennt ihr, dass euer Teenager aus einer Funktion aussteigt?

Nicht jede Veränderung in der Pubertät ist ein Ausstieg. Ein Hinweis ist, wenn sich das Verhalten gezielt gegen die früher übernommene Rolle richtet.

Der Ausstieg zeigt sich vor allem zu Hause und nicht unbedingt bei Freunden oder in der Schule. Er richtet sich gegen Erwartungen, und er hinterlässt eine Lücke.

Wie sich ein Ausstieg zeigt

  • Die Vernünftige, die vermittelt, weigert sich, Streit zu schlichten. Sie legt eine Aufgabe ab, die nicht ihre war.
  • Der Ruhige, der nie stört, wird laut, widerspricht und fordert Raum. Er probiert aus, wer er ohne Rolle ist.
  • Die Lustige, die aufheitert, zieht sich zurück und wirkt ernst. Sie muss die Stimmung nicht mehr retten.

Was könnt ihr konkret tun, wenn euer Teenager seine Rolle ablehnt?

Die Weigerung richtet sich gegen die Funktion und nicht gegen euch. Dieser Satz hilft, sie weniger persönlich zu nehmen.

Die Umbruchjahre können die ganze Familie verändern. Josefines Eltern haben die Verantwortung neu verteilt, und Josefine ist beim Abendessen wieder gesprächiger geworden.

Fünf Schritte

  • Den Ausstieg als Entwicklungsschritt verstehen.
  • Fragen, welche Funktion euer Jugendlicher bisher hatte.
  • Die entstandene Lücke bewusst unter den Erwachsenen neu verteilen.
  • Den Jugendlichen nicht zurück in die alte Rolle drängen.
  • Neue Seiten neugierig betrachten, statt sie sofort zu bewerten.
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Häufige Fragen

Kommt mein Teenager irgendwann in seine alte Rolle zurück?

Meist nicht in der alten Form. Viele finden eine neue Stellung in der Familie. Manche übernehmen später wieder Aufgaben, dann aber aus eigener Entscheidung.

Was ist, wenn gleichzeitig ein Geschwisterkind die Lücke füllt?

Das passiert häufig. Meist übernimmt das Kind, das am verfügbarsten ist. Achtet darauf, dass nicht automatisch das nächste Kind die alte Funktion erbt.

Wir Eltern sehen unseren Teenager gerade unterschiedlich. Ist das normal?

Ja, das ist in dieser Phase häufig. Beide Wahrnehmungen können zutreffen. Es hilft, sich abzusprechen, wer in welcher Situation die Führung übernimmt.

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