Kurz erklärt
- Zwölf Lerntypen entstehen aus sechs Lernperspektiven und zwei Aufnahmerichtungen.
- Die Perspektive beschreibt, worauf die Wahrnehmung achtet.
- Die Richtung beschreibt, wie das Nervensystem die Information verarbeitet.
- Mit visuell, auditiv und haptisch hat das nichts zu tun.
Im Human Design gibt es zwölf Lerntypen. Sie entstehen aus sechs Lernperspektiven und zwei Aufnahmerichtungen, fokussiert und rezeptiv. Abgelesen wird der Lerntyp am unteren rechten Pfeil im Chart.
Alma ist elf und will vorher genau wissen, welcher Stoff kommt, dann arbeitet sie ihn Zeile für Zeile durch. Simon ist neun, liegt beim Lernen auf dem Boden und wirkt, als höre er nur halb zu, kann eine Woche später aber ganze englische Sätze abrufen. Ihre Eltern hatten einen gemeinsamen Lernplan für beide. Dieser Unterschied kommt nicht von der Erziehung.
Wie entstehen die zwölf Lerntypen?
Der erste Baustein ist die Perspektive. Sie entscheidet, welche Information ein Kind für wichtig hält. Es gibt sechs davon.
Der zweite Baustein ist die Aufnahmerichtung. Fokussiert heißt, dass ein Kind Informationen innerhalb eines Rahmens aktiv sucht. Rezeptiv heißt, dass es breit aufnimmt und zeitversetzt verarbeitet. Jede Perspektive kommt in beiden Richtungen vor, daraus ergeben sich zwölf Typen. Kinder mit derselben Perspektive können deshalb auf entgegengesetzte Weise lernen.
Wie unterscheiden sich die sechs Lernperspektiven?
Jede Perspektive stellt an neuen Stoff eine unbewusste Frage. Das geschieht nicht absichtlich und ist keine Frage der Disziplin.
Die sechs Perspektiven in beiden Richtungen
- Sicherheit achtet auf Struktur und Anschluss an Bekanntes. Fokussiert baut Schritt für Schritt auf, rezeptiv nimmt viel auf und blockiert bei direkter Abfrage.
- Möglichkeiten achtet auf Potenzial und Spielraum. Fokussiert prüft, ob ein Thema Raum hat, rezeptiv lernt über Begeisterung.
- Macht achtet auf eigenes Handeln und Vorbilder. Fokussiert lernt im Tun, rezeptiv braucht zuerst eine Phase des Beobachtens.
- Bedürfnisse achtet auf Beziehung und Austausch. Fokussiert lernt im Gespräch und über das Erklären, rezeptiv lernt über das Zuhören, auch im Hintergrund.
- Wahrscheinlichkeit achtet auf Anwendung und Zweck. Fokussiert filtert, ob etwas anwendbar ist, rezeptiv erfasst, wie etwas funktioniert.
- Persönlichkeit achtet auf das Gesamtbild vor den Einzelheiten. Fokussiert denkt systematisch und braucht einen Überblick, rezeptiv lernt über Anwesenheit.
Kinder zeigen oft Züge mehrerer Perspektiven. Die eigene erkennt man meist daran, dass Lernen unter ihren Bedingungen leicht fällt und dem Kind danach noch Kraft bleibt.
Was unterscheidet diese Lerntypen von visuell, auditiv und haptisch?
Die bekannte Einteilung nach Sinneskanälen hat damit nichts zu tun. Die zwölf Typen beschreiben Ausrichtung und Verarbeitung und nicht, über welchen Sinn ein Kind aufnimmt.
Ein Kind mit der Perspektive Bedürfnisse mag Bilder gern, braucht aber das Besprechen. Ein Kind mit der Perspektive Wahrscheinlichkeit hört gut zu, behält aber nur, was anwendbar ist. Auch mit dem Energietyp hat der Lerntyp nichts zu tun: Ein Generatorkind und ein Projektorkind können denselben Lerntyp haben.
Wo steht der Lerntyp im Chart?
Die Lernwahrnehmung wird am unteren rechten Pfeil abgelesen, also an der Perspektivvariable. Die Zahl nennt die Perspektive, die Pfeilrichtung sagt, ob fokussiert oder rezeptiv. Der Chartrechner ist kostenlos.
Unter jeder Perspektive liegt eine feinere Ebene, der Ton. Er erklärt Unterschiede zwischen Kindern mit demselben Typ. Unter starkem Druck kann die Wahrnehmung vorübergehend in die Gegenrichtung kippen, denn jede Perspektive hat eine feste Partnerfarbe.
Was könnt ihr konkret tun?
Der Typ ist eine Einladung, genauer zu beobachten, und keine Schublade. Almas und Simons Eltern haben die Lernpläne getrennt, danach wurden die Nachmittage ruhiger, und der Vergleich zwischen den Geschwistern fiel weg.
Fünf Schritte
- Beobachten, welche Themen euer Kind mühelos lernt und was diese Situationen gemeinsam haben.
- Prüfen, ob euer Kind vor dem Start einen Rahmen braucht oder breit aufnimmt.
- Die Beschreibung der Perspektive mit euren Beobachtungen vergleichen.
- Geschwistern eigene Lernwege geben statt eines gemeinsamen Plans.
- Der Lehrkraft sachlich mitteilen, was im Unterricht helfen würde.
Wie ist euer Kind angelegt?
Mit dem Chartrechner seht ihr Energietyp, Profil, Zentren und Variablen eures Kindes auf einen Blick. Ihr braucht nur Geburtsdatum, Geburtszeit und Geburtsort.
Chart berechnenHäufige Fragen
Kann sich der Lerntyp meines Kindes verändern?
Der Typ steht im Chart fest. Sein Ausdruck kann sich mit dem Alter und unter Belastung verändern. Unter Druck kippt ein Kind vorübergehend in seine Partnerfarbe und kommt danach zurück.
Sind manche Lerntypen besser für die Schule geeignet?
Kein Typ ist besser. Die Schule ist allerdings um fokussiertes Lernen herum gebaut, mit klaren Zielen und zeitlich festgelegten Arbeiten, deshalb arbeiten rezeptive Kinder dort oft gegen ihr eigenes System.
Warum lernen Geschwister so unterschiedlich?
Jedes Kind hat sein eigenes Chart und oft einen anderen Typ. Selbst bei derselben Perspektive kann eines fokussiert und das andere rezeptiv sein, deshalb passt eine Methode, die beim ersten Kind getragen hat, beim zweiten häufig nicht.